Ein kurzer Überblick über die Verbreitung von Darmbeschwerden

In diesem Beitrag wollen wir die Symptome, Ursachen und Behandlungsvorschläge bei bei Darmbeschwerden und Darmerkrankungen durchleuchten. Denn über 12 Millionen Menschen leiden alleine in Deutschland zum Beispiel an chronischer Verstopfung. Darmbeschwerden ziehen sich durch die verschiedenen Lebensbereiche der Betroffenen und schränken die Patienten mitunter stark ein. Das Schamgefühl der Betroffenen führt dazu, dass diese sich sehr ungern ärztlich behandeln lassen.

Der Darm – das Verdauungsorgan und seine Funktionen im Überblick

Der Darm ist ein Organ des Verdauungstraktes. Die Gesamtlänge des Darms beträgt bei einem erwachsenen Menschen etwa 8 Meter. Den Darm teilt man seinen Funktionen nach in verschiedene Bereiche ein, vereinfacht sprechen wir hier von Dünndarm und Dickdarm. Der Dünndarm liegt mit seinen 3 bis 6 Metern zwischen dem Magen und dem Dickdarm und bildet den längsten Verdauungsabschnitt. Er hat die Aufgabe, die im Magen gelösten Nahrungsbestandteile aufzunehmen. Der Dickdarm ist 1,5 bis 1,8 Meter lang. Die Darmflora, die sich im Dickdarm befindet, ist mit zahlreichen Bakterien besiedelt, die im Verdauungsprozess die Nahrungsreste durch Gärungsprozesse zersetzen. So werden die Nahrungsreste bis zur Ausscheidung verarbeitet. Zudem wird im Dickdarm dem „Nahrungsbrei“ die Flüssigkeit entzogen. So wird ein fester Stuhl aus allen Exkrementen gebildet die der Körper nicht verwerten kann.

Wann spricht man von einer Verstopfung

Von einer Obstipation, einer Verstopfung im Darm, spricht man bei seltenem Stuhlgang (unter 3-mal pro Woche) bzw. bei zu hartem Stuhlgang oder einem Gefühl der unvollständigen Entleerung. Die begleitenden Symptome dieser Darmbeschwerden können dabei Blähungen, Bauchschmerzen oder Krämpfe sein. In der Medizin unterscheidet man die akute Verstopfung und chronische Verstopfung: Akute Verstopfungen treten kurz und plötzlich auf und können mühelos selber behandelt werden, beispielsweise mittels eines Darm-Einlaufs oder mit Hausmitteln (Obst, Gemüse oder Ballaststoffe). Anders verhält es sich bei chronischen Verstopfungen, die sich langsam aufbauen und von einem Facharzt behandelt werden sollten. Eine chronische Verstopfung kann einen unbegrenzten Zeitraum umfassen.

Symptome der chronischen Verstopfung

Die Symptome der chronischen Verstopfung umfassen unter anderem:

  • Trockener und harter Stuhl
  • Eindruck einer Darmausgangverengung
  • Eindruck einer unvollständigen Stuhlentleerung
  • Mühe bei der Stuhlleerung
  • Unregelmäßiger Stuhlgang (weniger als 3 Mal pro Woche)

Darmerkrankungen bei Rollstuhlfahrer*innen

Insbesondere bei Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind oder durch Lähmungen diverse Einschränkungen haben, kommen einige Ursachen für Darmerkrankungen zusammen, z.B. Bewegungsmangel, Störungen im Nervensystem und Medikamente. Darum leiden viele Rollstuhlfahrer*innen oftmals an Darmfunktionsstörungen. Durch die Einschränkung der Darmorgane kann es neben allgemeinen Darmbeschwerden zur Stuhlinkontinenz oder zu chronischen Verstopfungen kommen. Betroffene erhöhen die Gefahr chronisch zu erkranken, wenn ärztlicher Rat nicht eingeholt wird und keine adäquaten Behandlungsmethoden angewandt werden.

Behandlungsmethoden bei Darmbeschwerden

Die möglichen Behandlungen einer Verstopfung hängen immer mit deren Ursachen zusammen. Bei einigen Fällen lassen sich die Ursachen der Verstopfung behandeln, bei anderen nur die Symptome lindern.

Als einfache Lösung werden häufig Abführmittel herangezogen. Diese beschleunigen eine Darmentleerung und fördern die Darmbewegung. Erhältlich sind Abführmittel einerseits rezeptfrei – also frei verkäuflich – und andererseits rezeptpflichtig. Bei der Einnahme von Abführmitteln ist es dennoch wichtig sich vorab fachlich beim Arzt oder Apotheker zu informieren, da eine undefinierte Dosierung erhebliche Nebenwirkungen wie z.B. Flüssigkeitsmangel haben kann. Werden Abführmittel über einen langen Zeitraum eingenommen, kann sich dies ebenso negativ auf die Darmfunktion auswirken.

Eine schonendere Unterstützung der natürlichen Darmaktivität bietet sich durch Nahrungsergänzungsmittel. Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Druck im Bauch oder eine verlangsamte Verdauung können so wirkungsvoll bekämpft werden. Die Wirkstoffe stimulieren meist die Bildung von Magen- und Gallensaft und regen so die Verdauung an.

Nicht-medikamentöse Lösungen wie Therapien und Bauchmassagen sind weitere effektive Alternativen, um Darmbeschwerden vorzubeugen bzw. zu lindern. Bei seelischen bedingten Darmbeschwerden wie z.B. bei Stress, Nervosität und Angst empfiehlt es sich von ausgebildeten Therapeuten behandeln zu lassen.
Eine Bauchmassage ist sowohl physisch, als auch seelisch wohltuend. Sie schenkt Ihrem Bauch die Aufmerksamkeit, die er benötigt, damit der Darm trotz Problemen funktionsfähig bleibt. Bauchmassagen werden gewöhnlich mit den Händen durchgeführt. Bekannte Arten der therapeutischen Bauchmassage sind die ayurvedische Massage, osteopathische Behandlungen oder schulmedizinische Massagen. Jedoch sind diese Methoden oftmals mit hohen Kosten verbunden, wenn man sie von ausgebildeten Therapeuten durchführen lässt.


Häufige Fragen (FAQs) zu Darmbeschwerden

Wann sollte man mit Darmbeschwerden einen Arzt aufsuchen?

Halten Verstopfung, Durchfall oder Bauchschmerzen über mehrere Tage an oder treten Blut im Stuhl, starker Gewichtsverlust oder Fieber auf, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Eine frühzeitige Diagnose kann ernsthafte Darmerkrankungen ausschließen oder rechtzeitig behandeln.

Welche Lebensmittel unterstützen eine gesunde Verdauung?

Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte fördern eine gesunde Darmtätigkeit. Ausreichendes Trinken unterstützt zusätzlich die Verdauung und kann hartem Stuhl vorbeugen.

Kann Bewegungsmangel die Darmfunktion beeinträchtigen?

Ja. Regelmäßige Bewegung regt die Darmtätigkeit an und kann Verstopfung vorbeugen. Besonders Menschen mit eingeschränkter Mobilität profitieren häufig von angepasster Bewegung oder physiotherapeutischen Maßnahmen.

Welche Rolle spielt die Darmflora für die Verdauung?

Die Darmflora besteht aus Milliarden nützlicher Bakterien, die die Verdauung unterstützen und zur normalen Funktion des Darms beitragen. Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, das natürliche Gleichgewicht der Darmflora zu erhalten.

Können Medikamente Darmbeschwerden verursachen?

Ja. Einige Medikamente können als Nebenwirkung Verstopfung, Durchfall oder Blähungen auslösen. Treten Beschwerden nach Beginn einer neuen Medikation auf, sollte dies mit dem behandelnden Arzt oder der Apotheke besprochen werden.


Quellen

https://api.aerzteblatt.de/pdf/95/33/a1966_2.pdf

https://www.imd-berlin.de/fileadmin/user_upload/patienteninformationen/de/allgemeine_patienteninformationen/IMD_Patienteninfo_Darmbeschwerden_Ursachen_und_Loesungen.pdf

https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/BAEK/Patienten/Patienteninformationen/reizdarmsyndrom-kip.pdf

Zuletzt geändert:

Nora Rost ist studierte Pflegewissenschaftlerin, Krankenschwester und Redakteurin bei INSENIO. Seit 2015 berät sie Betroffene und pflegende Angehörige zu Inkontinenz und Pflege. Ihr wertvolles Wissen und die jahrelange Erfahrung aus Kliniken und Pflegeheimen dokumentiert sie im INSENIO Ratgeber in umfangreichen Ratgeber-Texten.